Eineinhalb Jahre
nachdem ich meine bisher längste Reise durch
Europa beendet hatte, ist nun ein neues
Superlativ geplant. Seit dem 1. Juli stand
der Termin einer neuen Reise fest. Ich will
nun erstmals den europäischen Kontinent
verlassen und möchte zwei neue Erdteile
kennenlernen, durch eine Reise, die von der
Planung her, noch länger dauern soll, als
die letzte im Jahre 1985. Mein Reiseziel
heißt mitten im deutschen Winter: Etwa zehn
Tage Hawaii und danach -bis zum Ende- soll
die Erkundung Neuseelands erfolgen; also eine
Reise ans Ende der Welt. Vieles soll dieses
Mal anders werden: noch abenteuerlicher und
noch spannender. Gründe, etwas zu ändern,
gibt es eigentlich nicht, denn die
vergangenen Touren waren fast durchweg
positiv verlaufen. Und noch eines soll dieses
Jahr anders sein: Erstmals plane ich eine
Reise nicht allein, sondern in Absprache mit
dem Schweizer Alex, den ich 1985 in
Schottland kennenlernte und danach einige
Tage zusammen mit ihm reiste und diese Zeit
als sehr angenehm in Erinnerung hatte. Alex
soll planmäßig am Sonntag in Honolulu
eintreffen. Ich hoffe dabei auf ein lockeres
Reisen: nicht nur zusammen hocken; sondern
auch einmal allein unterwegs sein und so
stärker die Chance nutzen, Einheimische
kennenzulernen und damit auch mehr auf sich
allein gestellt zu sein, d.h. Prüfungen für
sich selber abzulegen. Aber das alles soll
sich von allein ergeben und nicht von mir geplant
werden, weil dann möglicherweise doch wieder
alles ganz anders kommt.

Innerhalb eines Jahres habe
ich mir die Tour zusammen gespart trotz eines
nicht so hohen Verdienstes bei Klaus und
Anita im Imbiss und trotz
(Unter-)mietzahlungen in Höhe von DM 260,--
pro Monat. Zudem kam im November 1986 noch
die vorzeitige Arbeitsbeendigung im Imbiß
hinzu und damit zwei neue Tatsachen: Ich gab
in der Freizeit mehr Geld aus und habe bis
zur Stunde seit dem 1. Dezember 1986 kein
Geld mehr bekommen (ein Bescheid vom
Arbeitsamt in Bezug auf Arbeitslosengeld lag
noch nicht vor). Insgesamt bin ich auf meine
Sparleistung stolz. Aber ich konnte auch auf
Geldgeschenke von Oma, Papa, Harald, von
Tante Hanna und Tante Elsa zurück greifen.
Das machte auch sehr viel aus. Meine
Vorfreude auf diese neue Tour stieg seit dem
1. Juli 1986 immer mehr an und beeinflußte
somit auch meine Lebensfreude äußerst
positiv. Von Frust war kaum mehr etwas zu
spüren. Als der Countdown lief und der
Winter hereinbrach, überkam mich die
panische Angst, am Abflugtag möglicherweise
krank zu sein. Ich achtete deshalb -etwas
übertrieben- auf eine gesunde Lebensweise:
Ich aß Obst, machte bei kaltem oder nassem
Wetter Fußbäder; ich duschte abwechselnd
kalt/heiss; ich trug Halstücher und zog zwei
Paar Socken an; abends rieb ich mich mit
Mentholsalbe ein; ich trank Vitaminsäfte und
ass »Dextro
Energen«-Traubenzucker. Tatsächlich
lief es dann optimal und ich war trotz
äusserst widriger Witterung am Abflugtag
fit. Meine Unruhe wuchs und wuchs allerdings.
Erstmals waren Flüge geplant. Darauf war ich
gar nicht so scharf. Ich blieb lieber auf dem
Erdboden als in 10.000 m Hoehe, obwohl das
Flugzeug ja gemeinhin als sicheres
Verkehrsmittel gilt.
Einen Tag vor Reisebeginn,
also am 8. Januar 1987, kam es erneut zu
Wetterkapriolen. Auf das kalte Winterwetter
folgten starke Schneefälle. Innerhalb
weniger Stunden fing es an zu tauen und so
wurde aus dem Schnee schlimmer Matsch. Papa
fuhr mich wegen des Wetters am Nachmittag
nicht mit dem Auto nach Hamburg-Harburg,
sondern nur bis zum Buchholzer Bahnhof. In
Harburg entging ich dann per Taxifahrt zu Oma
nassen Füßen. Aus Aberglauben begann ich
meinen Trip diesmal von Oma aus. In der Nacht
von Donnerstag auf Freitag konnte ich bis auf
wenige Minuten überhaupt nicht schlafen und
das war natuerlich nicht so günstig in Bezug
auf den äußerst langen Reisetag. Bedingt
durch Zeitumstellungen sollte ich den
längsten Tag meines bisherigen Lebens
erleben koennen. Um 4:30 Uhr stand ich bei
Oma in Harburg auf. Oma war allerdings
nervöser als ich. Draussen herrschte
nasskaltes, ungesundes Tauwetter. Taxis
fuhren nicht; auf S-Bahn oder Bus wollte ich
nicht warten. Ich ging zu Fuß zum Harburger
Bahnhof. Pünktlich verlief die Fahrt mit dem
Intercity von Hamburg-Harburg nach Osnabrück
(6:00 Uhr bis 7:37 Uhr). Ich war ungeheuer
aufgeregt. Ein merkwürdiges Phänomen
stellte sich ein: Ich hatte keinen Appetit
und verspürte so etwas wie Abschiedsschmerz.
Mit einem Male kamen mir alle möglichen
Gefahren in den Sinn, die mich unterwegs
heimsuchen konnten. Mit einem Male wurde mir
bewusst, wie lange ich eigentlich unterwegs
sein würde. Doch damit müßte ich fertig
werden. Am Anfang war es schließlich nie
ganz so einfach.
Bedingt durch
Zugverspätungen in Osnabrück fror ich
ziemlich. Ich hatte nasse Füße. Nur ja
keine Erkältung bekommen. Nun fuhr ich mit
dem D-Zug von Osnabrück nach Amsterdam-Schiphol, dem Flughafenbahnhof. Die Verspätung wurde wieder aufgeholt, so dass
die Fahrgäste pünktlich auf dem Flughafen
eintrafen. Im Zug machte ich die
Bekanntschaft mit dem deutsch-kanadischen
Ehepaar Gerda und Bill Eckert aus Toronto.
Ich merkte bald, dass die beiden mit dem
selben Flug wie ich nach Kanada wollten.
Beide gaben mir wertvolle Tips für meinen
ersten Flug. Es war ein sehr nettes Ehepaar!
Bill, 61 Jahre alt, früher Physiker und
Mathematiker an einer kanadischen
Universität und mit der deutlich jüngeren
Gerda aus Osnabrück verheiratet. Seine erste
Frau war gestorben. Geldsorgen schienen die
beiden gewiss nicht zu haben. Sie verbringen
viel Zeit mit ihrem Boot auf dem Mittelmeer.
Nach zwei Jahren in Europa wollten Gerda und
Bill nun wieder kurzzeitig, voraussichtlich
bis März, nach Toronto zurück. Bei der
Abfertigung in Amsterdam-Schiphol halfen mir
beide sehr. Bill spendierte mir an einer Bar
noch ein Bier. Wir unterhielten uns
prächtig. Schliesslich stand der Abflug
bevor. Die Maschine der »Canadian
Pacific Airlines« war restlos voll
belegt. Drinnen war es sehr eng und was die
Beinfreiheit betraf, wurden meine schlimmsten
Befürchtungen wahr. Im Flugzeug saß ich in
unmittelbarer Naehe von Gerda und Bill, die
mir jetzt bei einigen Übersetzungen halfen.
Der Start war okay; mir war aber trotzdem
etwas unwohl zumute. Zudem war es in der
Maschine sehr warm und trocken. Die
Stewardessen waren sehr beschäftigt und
dabei trotzdem sehr freundlich. Es gab Musik
und Kino per Kopfhoerer. Schließlich wurde
ein Essen serviert: Steak, Gemüse,
Kartoffeln, Salat, Pudding und Süßes. Mein
Appetit hielt sich in Grenzen. Ich hatte aber
starken Durst, gegen den mit Getränken immer
wieder gesorgt wurde. Später gab es noch
etwas Brot zum Essen. Die Stewardessen
führten auch einige Notfallsituationen mit
Behelfsmitteln und Rettungsmöglichkeiten
vor, die ich aber überhaupt nicht verstand.
Auch fühlte ich mich bei der
Notfall-Demonstration etwas
mulmig.
Mittlerweile war das Flugzeug
in 10.000 Meter Höhe über dem Atlantischen
Ozean. Ich hatte einen guten Blick aus dem
Fenster. Die Sonne schien. Die Maschine flog
der Sonne praktisch hinterher. Neben mir saß
der sympathische Kanadier Casey aus Winnipeg.
Wir haben uns gut unterhalten. Es war meine
erste Unterhaltung auf Englisch seit 1985,
die etwas mehr Dialoge erforderte. Es klappte
überraschend gut. Casey erzählte von seinen
fünf Kindern; zwei Töchter und drei Söhne,
die samt seiner Frau auf dem Flughafen
Winnipeg warteten. Manchmal kam bei Casey
aber etwas Oberflächlichkeit zum Vorschein,
die man den Nordamerikanern ja so gern
nachsagt. Mich störte es nicht. Mit Casey,
Gerda und Bill tauschte ich die Adressen aus.
Ich versuchte etwas zu schlafen, aber es war
immer nur ein kurzes Dösen. Um 21:45 Uhr MEZ
und 15:45 Uhr kanadischer Zeit landeten wir
sicher in Toronto. Der Tag war jetzt schon
ein langer und wuerde noch erheblich länger
werden. Ich war schon ziemlich erschöpft.
Seit Osnabrück war ich nicht an der frischen
Luft gewesen und auch in Toronto wurde nichts
daraus.
Ich mußte, im Gegensatz zu dem, was mir jemand von "Canadian Pacific" in Hamburg gesagt wurde, in Toronto wider Erwarten doch durch den Zoll. Sogar meinen Rucksack sollte ich in Empfang nehmen, obwohl er bis Honolulu "durchgecheckt" war. Erst konnte ich ihn auf dem Laufband nicht finden. Bill und Gerda waren mir immer noch behilflich. Schließlich fand ich ihn und mußte ihn danach -laut einem Aufseher am Gepäckschalter- sofort wieder aufgeben. Casey verlor ich im Gewühl leider aus den Augen. Wir konnten uns nicht mehr verabschieden. Aufgrund der Eile, verabschiedete ich mich von Gerda und Bill recht hastig. Wir wollen uns schreiben. Mal sehen, was daraus wird. In jedem Falle habe ich mich über diese Bekanntschaft gefreut.
Jetzt genoß ich erstmal das Gefühl, auf kanadischem Boden zu stehen. Der Aufenthalt währte 1 ½ Stunden. Um 17:15 Uhr (23.15 Uhr MEZ) saß ich, zu meinem zweiten Flug bereit, in der nächsten "Canadian Pacific"-Maschine. Der Ablauf war in etwa derselbe wie beim ersten Flug. Ich saß jetzt im "Nichtraucher" neben der Kanadierin France aus Montreal, die auf dem Weg nach Sydney war, wo sie mit ihrem Mann, einem Jongleur, im Zirkus auftritt. France war sehr freundlich; bedingt durch Müdigkeit und Unkonzentriertheit meinerseits, war ich aber froh, nicht soviel Englisch sprechen zu müssen. Hunger hatte ich jetzt überhaupt nicht mehr; allerdings war ich um so durstiger! Mich nervte etwas die Airconditioning, die Klimaanlage. Sie pustete mir pausenlos Zugluft ins Gesicht, was erneut leichte Erkältungspanik aufkommen ließ. Ich versuchte, zu schlafen, was mir jetzt auch gelang. Aber es war sehr unbequem und äußerst eng, was die Beinfreiheit betraf. Der Start der Maschine war sehr gut verlaufen; der Flug ging über den Pazifischen Ozean von Toronto nach Honolulu auf Oahu/Hawaii. Etwa 9 ¼ Stunden war das Flugzeug unterwegs. Es war jetzt etwa 8:00 Uhr MEZ und genau 21:45 Uhr Hawaii-Zeit, als wir auf dem Airport Honolulu sicher aufsetzten.
Jetzt war ich wieder einigermaßen munter. Ich mußte durch den Zoll und auf dem Weg dorthin kam ich kurzzeitig an die frische Luft. Ich war erstaunt von der unglaublichen Abendwärme. Ein Wahnsinnsgefühl war dieser Temperaturunterschied innerhalb weniger Stunden. Die
Zollkontrolle mit meinem Handgepäck verlief ohne Probleme. Hier haben alle Menschen das typisch asiatisch-polynesische Aussehen der Südsee-Insulaner. Doch der dicke Hund kam erst noch: Als einziger Fluggast bekam ich meinen Rucksack bei der Gepäckabfertigung nicht wieder! Das war ein Schock! Ohne sein Gesicht zu verziehen, nahm der Gepäckmanager Lee meine persönlichen Daten auf und versprach mir, daß der Rucksack spätestens am Sonntagvormittag in der Jugendherberge Seaview Avenue sei. Sein Wort in Gottes Ohr! Es wäre fatal, wenn es nicht so wäre. Mit viel zu wenig Kleidung ging ich nun mit meiner Umhängetasche zur Information, wo ich mich nach einer Übernachtungsmöglichkeit erkundigte.
Die Jugendherberge konnte ich innerhalb der üblichen Öffnungszeiten nicht mehr erreichen. Bedingt durch meine Müdigkeit, beschloß ich, viel Geld für eine Übernachtung zu zahlen und auch die damit verbundene Taxifahrt. Doch es kam anders: Ich nahm den Tipp für das Shower-Tree-Hotel auf dem Flughafen an, wo der Übernachtungspreis per Stunde berechnet wird. Das erinnerte mich eher an ein Bordell; einem sogenannten Stundenhotel, doch dem war nicht so. Es handelte sich um ein nettes Hotel mit einer dicken, sympathischen Wirtin, die immer nur flüsterte und dasselbe per Zeigefinger auf den Mund auch von mir erwartete. Die Betten waren in unmittelbarer Nähe der Rezeption - direkt auf dem Flughafen. $ 19 mußte ich für den Spaß in diesem Hotel bezahlen. Duschen war mir nur am frühen Morgen erlaubt; jetzt mußte ich mich mit einer Katzenwäsche begnügen (Zahnbürste, Seife, Shampoo und Handtuch waren ja, wie viele andere Dinge, in meinem nicht vorhandenen Rucksack). Ich bekam aber etwas Waschzeug von der Wirtin zur Verfügung gestellt. Das Etagenbett befand sich dann tatsächlich praktisch hinter dem Rezeptionsschalter. Unter mir schlief bisher niemand. Vor dem Bett, nur durch einen Vorhang getrennt, drehte sich ein Ventilator. Mit diesen "Erkältungsmaschinen" werde ich mich wohl noch öfter auseinanderzusetzen haben. Ich begab mich bald zur Ruhe. Wegen des extremen Zeitunterschieds konnte ich jetzt nicht einschlafen. Das störte mich allerdings nicht so sehr; Hauptsache ich konnte endlich liegen und brauchte die Nacht nicht irgendwo auf dem Flughafengelände zu verbringen. Das hätte ich wohl konditionell nicht mehr ausgehalten. Der längste Tag meines bisherigen Lebens neigte sich dem Ende zu. Er war sicher auch einer der ereignisreichsten und mit unzählig vielen neuen Dingen reich gefüllter Tag. Ich war jetzt in Honolulu auf der hawaiianischen Insel Oahu bei sommerlichen Temperaturen!
2. R e i s e t a g : Sonnabend, 10. Januar 1987 |
Ich bin so gebannt von dem Neuen, obwohl ich bisher von Hawaii wenig gesehen habe. Man ist in einer fremden Welt, die man bisher nur aus dem Fernsehen kannte. Auf den ersten Blick wage ich Hawaii eher mit meiner USA-Phantasie zu vergleichen als mit meinen Eindrücken polynesischer Inselwelten. Die vielen neuen Eindrücke, die ich gerade jetzt erlebe, werde ich schriftlich sicher nicht komplett wiedergeben können. Das können Fotos möglicherweise besser.
In der Nacht schlief ich bekanntlich kaum.Schließlich war die Nacht vorgestern noch mein Tag! Immer wieder bebte das Hotel etwas. Ich dachte schon an ein leichtes Erdbeben; es waren aber wohl eher die startenden und landenden Flugzeuge. Es war sehr ruhig in der Nacht. Kaum zu glauben, dass ich auf einem Flughafen übernachtete. Nur das Surren des Ventilators. war zu hören und das häufige "Pscht..." der Wirtin. Nach 5:00 Uhr war ans Schlafen nicht mehr zu denken. Aber das Liegen und Ausruhen genoß ich ebenso.
Nach 7:00 Uhr erfrischte ich mich unter der Dusche. Deodorant und Haarfön standen mir ebenfalls zur Verfügung. Wenig später verließ ich das Hotel. Ich ließ mir noch eine Quittung ausstellen, um das Geld möglicherweise von der Fluggesellschaft erstattet zu bekommen; wenn nötig erst in Deutschland. Der Versuch schadet gewiß nicht. Trotzdem hoffe ich, meinen verloren gegangenen Rucksack bald wiederzusehen. Am Schalter der "Canadian Pacific"-Airlines wollte ich sogleich aktuelle Informationen über den möglichen Verbleib meines Rucksacks einholen - doch der Schalter war geschlossen. Ich versuchte es telefonisch; kam aber offensichtlich mit dem Fernsprecher nicht zurecht. Ich hörte nur einen Dauerton. Somit wartete ich erstmal ab. Die Ungewißheit, was den Rucksack und mein darin befindliches Gepäck betrifft, bleibt. Ich verließ das Flughafengebäude.
Die morgendliche Wärme traf mich wie ein Schlag. Es ist alles nicht zu glauben! Ich begab mich zur Bushaltestelle und war mit den Linien 19 und 6 etwa eine Stunde unterwegs. Die Fahrer erinnerten mich jeweils, an welcher Haltestelle ich auszusteigen hatte. Von der Endstation war es jeweils nur ein Katzensprung bis zur Jugendherberge. Obwohl es schon nach 9:00 Uhr war, konnte ich mich an der Rezeption anmelden und einige Sachen besprechen. Auch das Thema "fehlender Rucksack" sprach ich an. Nun konnte ich auch endlich meinen störenden Winterparka ablegen, den ich seit meiner Abfahrt in Buchholz dabei hatte. Toll: Meinen Winterparka hatte ich bei tropischen Temperaturen in Reichweite; meine T-Shirts und Shorts waren im Rucksack an einem unbekannten Ort dieser Welt.
Nach der Anmeldung machte ich mich auf den Weg in Richtung Waikiki-Beach. Mit dem Bus wollte ich nicht fahren , denn ich hatte Zeit und sah so mehr von Honolulu. Vierzig Minuten war ich unterwegs. Zwischendurch legte ich einen Stop beim "Burger King" ein. Danach warb ich noch in einem Restaurant, das ein Frühstück für $ 2 anbot. Es war typisch amerikanisch und schmeckte leider nicht. Viel besser waren dagegen die Frischmilch und der Kaffee.
Das Wetter war paradiesisch. Die Sonne stand hoch am Himmel und es war herrlich warm. Ein böiger Wind sorgte für Erfrischung. In der Stadt war alles so neu für mich! Nur aus dem Fernsehen kam mir manches bekannt vor. Die Ampeln zeigten entweder "Don´t walk" für Rot oder "Walk" für Grün. Die Häuser hatten zum großen Teil Feuerleitern. Überall sah man überirdische Stromleitungen Die Schilder mit den Strassennamen waren grün und sehr unübersichtlich in der Strassenmitte angebracht. Für mich als Kurzsichtigen, der seine Brille oft sonstwo hatte, nur nicht auf der Nase, war es nicht immer einfach. Die Straßen hatten extrem hohe Hausnummern; die Jugendherberge hat beispielsweise die Hausnummer "2323". Die Menschen hatten weiße Hautfarbe oder waren polynesischer Abstammung. Auffällig waren auch die vielen übergewichtigen Menschen.
Schließlich tauchte vor mir der Pazifische Ozean auf! Erstmals sah ich ihn direkt vor mir. Die vielen Palmen bogen sich im Wind. Die Wellen waren in Strandnähe allerdings kleiner, als wie ich es erwartet hatte. Nur in größerer Entfernung sah man höhere Brecher. Das Wasser wurde von Türmen aus mit Ferngläsern kontrolliert. Ob die wohl auch nach Haien Ausschau hielten?
Der Strand war sehr voll. Im Wasser herrschte reges Treiben. Ich sah viele Surfer und Segler. Vor Strand und Meer befand sich eine Rasenanlage, wo Palme an Palme stand. Hier legte ich mich unter diese herrlichen schattenspendenden Bäume. Es war herrlich! Bis auf den Müllmann, der die Strassen säuberte, war ich wohl der einzige, der lange Hosen trug. Alle anderen waren nur mit Badehose oder -anzug bekleidet. Anfangs wollte ich mich nicht sofort der Sonne aussetzen. Im Schatten war es aber durchaus frisch. Aber es nützte nichts: Im Gesicht fühlte ich schon recht bald einen Sonnenbrand. Sicherlich auch bedingt durch die erhöhte Sonnenstrahlendosis hier. Einige Zeit hielt ich es unter den Palmen aus; danach schrieb ich erstmals in mein Reisetagebuch.
Pünktlich um 16:30 Uhr traf ich zur Öffnung der Jugendherberge ein. Der polynesische Rezeptionsmitarbeiter rief für mich netterweise am Flughafen an, um Informationen einzuholen, was meinen Rucksack betrifft. "Canadian Pacific" kündigte einen Rückruf an.
Dummerweise mußte ich mir für $ 1 noch einen Jugendherbergsschlafsack ausleihen. Die Jugendherberge war einfach eingerichtet. In die Toilette -mit saloon-artigen Schwenktüren- kann man mühelos hineinschauen. Der Schlafsaal ist groß mit sehr vielen Betten. Draußen im Garten gibt es herrliche Plätze zum Sitzen. Ich tat heute nicht mehr viel. Hin und wieder beobachtete ich eine ungewöhnlich hübsche Kalifornierin aus San Francisco, die mehr als ein halbes Jahr unterwegs sein wird. Sie startet mit ihrer Reise hier in Hawaii.
Aufgefallen sind mir auch kleine, graue, taubenartige Vögel, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Mal sehen, ob ich herausfinde, was das für Vögel sind. Bedingt durch die enorme Zeitumstellung war ich am Abend totmüde. Schon früh lag ich im Bett. Trotz Licht im Zimmer schlief ich sofort ein; lag dann in der Nacht aber hellwach herum.
3. R e i s e t a g : Sonntag, 11. Januar 1987 |
Schon sehr früh am Morgen tat ich kein Auge mehr zu. Ich stand auch entsprechend früh auf. Ich frühstückte Müsli-Flakes mit Milch; welches ich mir an der Jugendherbergsrezeption kaufen konnte. Am heutigen Sonntag erwartete ich nun das Eintreffen von Alex in der Jugendherberge. Ich brauchte nicht lange zu warten - da schlug er mir auch schon mit der Hand auf meinen Rücken. Nach unserer Begegnung in Schottland im Sommer 1985 sah ich Alex heute nun erstmals wieder. Der Briefkontakt war nie abgebrochen und nachdem ich Alex vorgeschlagen hatte, diese Reise mitzumachen, stimmte er nach einer Weile Bedenkzeit schließlich zu. Nun stand er also wieder vor mir. Unglaublich, aber wahr: Auch er hatte sein Gepäck auf dem Flughafen nicht bekommen. Mein Rucksack sollte -laut Mr. Lee- nun heute vormittag in der Jugendherberge eintreffen. Doch das geschah nicht. Die Chance, meinen Rucksack jemals wiederzusehen, nahm jetzt wohl rapide ab.
Einige Zeit später später begaben Alex und ich uns auf Achse. Der Schweizer hatte Hunger und so gingen wir erstmal in den nahegelegenen "Burger King", wo es sehr günstig war. Wie übrigens vieles, was wohl an dem günstigen Dollarkurs lag. Wie schon gestern, spazierten wir auch heute zu Fuß zur Waikiki Beach. Von der Jugendherberge in der Seaview Avenue war es zu Fuß ein etwa vierzigminütiger Marsch. Wir gingen über die University Avenue, den Kapiolani Boulevard, die McCully Street über den Ala Wai Canal in die Kalakaua Avenue, wo wir die Beach schließlich erreichten. Ich suchte wieder den Schatten unter den herrlichen Palmen auf. Alex legte sich sofort in die pralle Sonne, um sich bräunen zu lassen. Er rauchte viel und abends trank er gleich ein paar Bier. Ihn schien die Zeitumstellung wohl nicht so sehr zu tangieren. Gegen Mittag wagte ich dann ein erstes Bad im Pazifischen Ozean. Das Wasser war herrlich warm. Eine tolle Erfrischung!
Um 14:00 Uhr wollte ich mich noch einmal nach dem Verbleib meines Rucksacks erkundigen .Ich telefonierte mit Canadian Pacific Airlines und ein Mann namens Dave erzählte mir, dass der Rucksack immer noch nicht aufgetaucht sei. Ich solle doch morgen früh wegen einer zwischenzeitlichen Geldentschädigung im Büro von Canadian Pacific in der Kalakaua Street vorbeischauen. Auch bei diesem Telefongespräch zeigte sich wieder die Hilfsbereitschaft der Hawaiianer. Ein Polynesier bekam die Schwierigkeiten, die ich mit dem breiten amerikanischen Akzent hatte, mit. Er nahm mir kurzerhand den Hörer ab und klärte die Angelegenheit kurzerhand für mich. Er beschrieb mir bei der Gelegenheit auch gleich den Weg zum Büro der Canadian Pacific Airlines.
Abends fühlte ich mich schlapp. Bekam ich doch noch eine Erkältung? Alex entdeckte auf dem Rückweg einen riesigen Supermarkt, der 24 Stunden geöffnet hatte. Hier kauften wir erstmal ein paar vitaminreiche Lebensmittel ein. Zurück in der Jugendherberge füllte ich mich entsprechend ab. Ich trank heiße Milch mit Honig, aß leckere Orangen und ließ Cornflakes folgen.
Es begann etwas zu regnen - wie schon gestern um die selbe Zeit. Die Sonne geht gegen 19:00 Uhr unter. Auf der Jugendherbergsterrasse unterhielt ich mich noch ein wenig. Von Brian, einem Neuseeländer, holte ich mir noch ein paar wertvolle Tipps für den folgenden Weiterflug an. Ich duschte und legte schon ziemlich zeitig ins Bett. Ich schlief schnell ein. Zum Glück wachte ich dieses Mal nicht schon kurze Zeit später wieder auf.
4. R e i s e t a g : Monatg, 12. Januar 1987 |
Die Tage sind an Ereignissen so reich gefüllt, dass ich in den letzten Tagen mein Reisetagebuch arg vernachlässigt habe. Ich hoffe aber nicht, dass ich Gefahr laufe, wesentliche Tagesereignisse auszulassen. Ich werde mich aber jetzt intensiver bemühen, täglich einen Bericht in mein Tagebuch zu schreiben.
Ich fühlte mich gar nicht so gut, als ich heute früh aufwachte. Kranksein konnte ich mir absolut nicht leisten. Zum Frühstück in der Jugendherberge an der Seaview Avenue nahm ich wieder vitaminreiche Kost zu mir. Natürlich erledigte ich auch wieder meinen "Job". In vielen Jugendherbergen ist es üblich, eine kleine Arbeit zu verrichten, z.B. Staubsaugen, Dusche auswischen, Mülleimer ausleeren usw.
Um 9:00 Uhr hatte ich dann einen Termin im Canadian Pacific Airlines - Büro in der 2222, Kalakaua Avenue zwischen Burger King und Woolworths. Ich fuhr mit dem Fahrstuhl in den 2. Stock und erhielt dann von Miss Flores auch prompt die gute und nicht mehr erwartete Nachricht: Mein Rucksack ist gefunden worden! Er würde mir noch heute nachmittag in die Jugendherberge geliefert werden. Für die Umstände, die ich hatte, erhielt ich einen $ 50 - Scheck, den ich mit einer $ 2 -Umtauschgebühr allerdings erst bei der dritten Bank eingetauscht bekommen habe.
Im Post Office kaufte ich noch einige Briefmarken. Der Schweizer Alex und ich gingen dann an die zauberhafte Küste des Pazifischen Ozeans; auch wieder an die Waikiki Beach. Zwischendurch nahm ich immer wieder einen kleinen Imbiß zu mir. Alex hatte seinen Rucksack immer noch nicht zurück!
Nach etwas Ruhe unter den sich im lauen Wind biegenden Palmen unternahmen Alex und ich eine Wanderung am Strand entlang. Dabei sah ich tatsächlich einen Rochen, einen Manta, auf dem Grund schwimmen. Wie ein riesiger Vogel schien er unter der Wasseroberfläche dahinzusegeln. Es ist ein kaum beschreibliches Gefühl, exotische Tiere zu sehen, die man sonst allenfalls im Zoo oder auf dem Fernsehbildschirm zu sehen bekommt. Wir spazierten auf einem Steg entlang, der praktisch ins Meer hineinführte. Von hier aus sah man noch etliche andere Fische.
Zurück gingen wir durch das bunte Treiben in der Kalakaua - Einkaufsstrasse. Das Wetter war natürlich auch heute herrlich warm, auch wenn es am Nachmittag wieder etwas zu tröpfeln begann. Auf dem Weg zurück zur Jugendherberge, gingen wir in den Star Market, wo wir noch etwas an vitaminreicher Nahrung für den Abend einkauften.
In der Jugendherberge erhielt ich dann tatsächlich meinen Rucksack zurück. Er wurde auf einem alten -hinten offenen- Lastwagen angeliefert. Er war total vollgestaubt; war wohl zwischenzeitlich in der Sahara! Ich fragte meinen treuen Rucksack noch, wo er so lange gewesen sei, doch er antwortete nicht. Aber ich hatte ihn endlich zurück und das war die Hauptsache. Er war unbeschädigt und es fehlte absolut nichts.
Den Abend verbrachte ich entweder vor der mir immer sympathischer vorkommenden Jugendherberge oder im Gemeinschaftsraum des benachbarten Studentenheims. Ich schrieb noch einige Ansichtskarten und unterhielt mich mit den unterschiedlichsten und nettesten Leuten. Ich fühlte mich am Abend sehr wohl und auch meine Furcht vor irgendwelchen Krankheiten nahm ab.
5. R e i s e t a g : Dienstag, 13. Januar 1987 |
Die Hawaii-Insel Oahu fasziniert mich von Stunde zu Stunde mehr. Kaum vergeht ein Augenblick mit einer Sehenswürdigkeit, sieht man schon die nächste. Auch der heutige Tag war ein an Erlebnissen und wunderschönen Bildern reichhaltig bepackter Tag. Er begann am Morgen in der Moana Valley-Jugendherberge, wo ich heute nun bereits zum dritten Mal übernachtet hatte. Ich begab mich in die Küche, machte mir eine Honigmilch (mit hawaiianischem Honig), aß eine Orange und etwas Müsli dazu. Immer wieder kam es zu netten Unterhaltungen mit den anderen Reisenden. Wenn es mit dem Kennenlernen von interessanten Leuten im Verlauf der Reise so weitergeht, bin ich mehr als zufrieden. Da Oahu nur eine relativ kleine Insel ist und nur zwei Jugendherbergen besitzt, dass Reisende mehrere Tage in ein und derselben Jugendherberge bleiben und man sie so näher kennenlernt, was einen besonderen Reiz ausmacht. Es gibt keine Probleme beim Verlängern der Übernachtungen. Gleich heute morgen habe ich verlängert, indem ich für die kommende Nacht bezahlte. Bereits gestern abend hatte ich die Bekanntschaft mit dem netten Franzosen Frederic gemacht. Er schlug vor, zusammen mit anderen Leuten ein Auto zu mieten und in den Nordteil von Oahu zu fahren. Aber die Tatsache, dass der Fahrer 25 Jahre alt sein muß und die Bezahlung nur per Kreditkarte möglich ist, dürften diesen Plan wohl zum Scheitern bringen.
Das heutige Tagesprogramm sollte uns aber trotzdem in den Norden Oahus bringen. Alex, Frederic und ich fuhren mit dem Bus der Linie 6 erst zum Ala Moana Shopping Center und daran anschließend mit der Linie 52, einer Circle Line, in Richtung Waimea Bay. Die Busfahrt dauerte sehr lange und mir war ziemlich kalt, was durch die unangenehme Klimaanlage im Bus verursacht wurde. Etwa 1:40 Std. dauerte die Fahrt, ehe wir gegen Mittag, zusammen mit drei Münsteranern, die Busstation Waimea Park Falls erreichten. Wir hatten uns entschlossen, diesen Park anzuschauen. Ich war sehr erleichtert, wieder an der frischen hawaiianischen Luft zu sein, weil Frederic, der neben mir im Bus saß, schrecklichen Mundgeruch hatte. Der Park war von gewaltigen Naturschönheiten geprägt. Pflanzen, die man sonst nur in botanischen Gärten zu sehen bekommt, standen hier dicht an dicht. Der Eintritt in den Park war mit $ 7.50 recht hoch (den Dollarbetrag mit 2 multipliziert, ergibt den ungefähren DM-Wert).
Vorher aßen wir noch eine Kleinigkeit in der Snack-Bar. Dort lief auch ein imposanter Pfau herum, der mir die Pommes frites aus der Hand fraß. Durch herrliche Pflanzenwelten ging es dann in Richtung Waimea Falls. Natürlich war auch dieser Park auf Kommerz und Tourismus getrimmt. Aber irgendwie störte mich das überhaupt nicht. Jetzt folgte eine Show, in welcher Hula-Tänze vorgeführt wurden. Neben der Farbenpracht gefiel mir besonders die stimmungsvolle Hawaii-Musik. Nach relativ kurzer Zeit erreichten wir um 13:45 Uhr die Wasserfälle. Aus 60 Fuß Höhe sprangen dann ein junger Mann und eine junge Frau die Fälle auf akrobatische Art und Weise hinunter. Auch das war ein Augenschmauß. Die Touristen fotografierten sich fast tot.
Wir traten dann wieder den Rückweg an und bei gutem Wetter ging es an die Waimea Beach. Nur ein paar kleine Wölkchen sah man am Himmel. Ein herrlich weißer Sandstrand lag vor uns. Und hohe Wellen, wie sie hier im Norden der Insel so typisch sind. Alex ging zuerst ins Meer. Ich zögerte etwas, folgte dann aber. Es war absolut herrlich. Im warmen Pazifikwasser stürzten die Wellen wie Türme heran und begruben uns mit tosender Gewalt. Welch ein Anblick, wenn man mit den Augen auf der Wasseroberfläche ruhte und sich das Meer in unglaubliche Höhen aufbaute und dann schließlich über uns zusammenbrach! Wiederholt mußte ich kräftig Salzwasser schlucken. Ein kräftiger Sog verhinderte, das man auf dem Meeresgrund stehen bleiben konnte. Es war ein herrlich, bisher nie erlebtes Vergnügen. Im Sand trocknete der Körper, ohne zu frieren, schnell ab.
Wir begaben uns dann wieder zur Bushaltestelle und nach zwanzigminütiger Wartezeit fuhren wir dann auf der anderen Seite der Insel zurück in Richtung Honolulu Downtown. Es hatte hier geregnet und im Bus war, aufgrund mangelnder Kleidung, recht kühl. Die Busfahrt wollte kein Ende nehmen. Nach rund 2:20 Std. kamen wir dann gegen 19:00 Uhr am Ala Moana Shopping Center an, wo wir im Regen weitere dreißig Minuten warten mußten, ehe wir mit der Buslinie 6 zur Jugendherberge zurückfahren konnten. Ich mußte jetzt dringend im Burger King - Restaurant eine Kleinigkeit essen.
Den weiteren Abend verbrachten wir dann bei strömendem Regen unter dem schützenden Dach der Jugendherberge. Hier erfuhr ich auch, dass ich morgen in die andere Jugendherberge, die sich in unmittelbarer Nähe der Waikiki-Beach befindet, umziehen muß. Das machte mich etwas traurig, denn hier gefiel es mir in der Zwischenzeit außerordentlich gut. Am Abend wollte ich eigentlich noch duschen, Postkarten schreiben und meine Reiseberichte fortsetzen, doch daraus wurde nichts. Ich kam mit den drei netten Deutschen, Edwin, Petra und Hans-Joachim ins Gespräch. Petra und Hans-Joachim aus Schwäbisch-Gmünd reisten vier Wochen durch weite Teile der USA per Mietwagen. Über ihr Verhältnis zueinander bekam ich nichts heraus. Sie lebten jedenfalls nicht zukommen, waren aber auch keine Geschwister. Innige Liebesbeziehungen konnte ich auch nicht entdecken. Während der Reise war Edwin aus Wiesenbach zu den beiden gestoßen. Edwin ist schon recht lange auf Achse. Er plant, noch weitere acht Monate unterwegs zu sein. Er will noch auf die Fidschi-Inseln und nach Neuseeland. Wir unterhielten uns noch bis 23:00 Uhr sehr angeregt. Danach war ich nach einem langen Tag ziemlich müde und legte mich schlafen, was mir in dieser Nacht auch recht gut gelang.
6. R e i s e t a g : Mittwoch, 14. Januar 1987 |
Auch in der Nacht hielt der kräftige Regen an. Erst am Morgen hörte es auf zu regnen. Es blieb dann aber wolkenverhangen. Mild war es, bei vernünftiger Kleidung, trotzdem. Meinen dicken Parka brauchte ich hier bisher nicht. Wenn die Sonne scheint, liegt die Durchschnittstemperatur etwa bei 23-25° C. Der immerwährende Passatwind sorgt für eine ständige erfrischende Brise. Auch gesundheitlich fühle ich mich fit und würde mich natürlich wahnsinnig freuen, wenn das auch so bleibt. Ich glaube, dass ich mich so langsam an die neue Zeit, an das Klima und an die andere Kultur gewöhnt habe. An den Schönheiten dieser Insel kann ich mich nicht satt sehen, obwohl es auf den benachbarten Hawaii-Inseln, nur per Flugzeug erreichbar, wohl noch schöner, menschenleerer und damit weniger touristisch sein soll.
Beim Frühstück boten mir Petra, Hans-Joachim und Edwin an, mich in ihrem Mietwagen zur Waikiki Beach mitzunehmen. Ich zauderte etwas. Für Alex war in dem Wagen nämlich kein Platz mehr. Sollte ich trotzdem fahren? Alex hielt sich bisher ziemlich zurückgezogen. Er begann mit niemandem ein Gespräch. Mit Mühe und Not konnte ich Alex und Frederic in ein Gespräch verwickeln. Er muß sich klar darüber werden, dass jeder auch seinen Interessen nachgeht. Notfalls müssen Pläne oder Verabredungen auch mal kurzfristig geändert werden. Auch Alex wird sich ab und zu mal Gesellschaft suchen müssen, wenn er nicht nur allein durch die Weltgeschichte ziehen will. Wenn er das versteht und sich auch mal Gesellschaft sucht, wie schwer das auch immer für ihn sein mag, kann es ein erfolgreicher weiterer Reiseverlauf werden. Alex sagte zwar, als ich ihn kurz einmal darauf ansprach, dass ihn Unternehmungen auf eigene Faust nicht stören würden, aber ganz sicher bin ich mir da keineswegs. Ich entschloß mich für heute, mit Alex zu Fuß an die Waikiki Beach zu gehen; in Zukunft werde ich aber sehr wohl auch mal mit anderen etwas unternehmen wollen. Frederic begleitete uns in die Stadt. Ich brauchte mich nicht mit dem schweren Rucksack abzuquälen, da die Herbergsleitung so freundlich war, diesen per Auto zur anderen Jugendherberge zu fahren, in welche ich ja heute umziehen mußte.
Ich wollte mir heute zunächst den Weiterflug bei Canadian Pacific Airlines bestätigen lassen, was auch klappte. Trotzdem sollte ich unmittelbar vor dem Weiterflug nach Neuseeland dort erneut anrufen. Frederic mußte zur Post; Alex war schon zum Strand gegangen. Mit dem Franzosen traf ich mich dann bei McDonalds. Alex wollte dann noch zum Flughafen, wo er sich um seinen Rucksack kümmern wollte, der ja bisher nicht eingetroffen ist. Ich hatte vor, mich um 11:00 Uhr mit Hans-Joachim, Petra und Edwin vor dem US Army Museum zu treffen. Pünktlich waren die Drei dort. Bei ziemlich kühler Witterung wollten sie nicht mehr an der Waikiki Beach bleiben. Sie wollten jetzt eine Autotour an die Nordwestküste der Insel unternehmen. Ich wurde eingeladen, mitzufahren, wozu ich auch große Lust hatte. Nachdem wir aus der Innenstadt herausgefahren waren, ging es über den Highway an Pearl Harbour vorbei. Nun fuhren wir an herrlichen Landschaften vorbei. Rechts lagen Berge, die im Schein der spärlichen Sonne wunderbar aussahen. Hier wuchs kein Strauch und kein Baum. Es mußte vulkanischer Boden sein. Links tobte der Pazifische Ozean mit turmhohen Wellen. Hier gab es auch militärisches Sperrgebiet. Gewiß gab es auch hier unterirdischen Atombombenbasen und immer wieder hört man ja auch davon, dass Atommüll im Meer entsorgt wird. Ob es stimmt? Die Bevölkerung scheint es jedenfalls nicht besonders zu tangieren.
Nach einem kleinen Mittagsimbiß bei McDonalds erreichten wir die zauberhafte Wainaea Bucht. Hier tobten die Wellen noch höher als gestern in Waimea. Die Surfer ritten akrobatisch auf den Wellen. Sonst waren nicht allzuviele Leute hier. Natürlich stürzte ich mich gleich in die herrlichen Fluten. Erneut war es ein tolles Vergnügen, sich von den turmhohen Wellen begraben zu lassen. Auch Hans-Joachim begab sich in das Wasser. Teilweise waren spitze Korallen am Meeresgrund zu spüren. Petra und Edwin gingen nicht ins Wasser. Edwin war müde und wollte lieber schlafen und Petra war es zu kalt. Ich trocknete schnell an der milden Luft. Auf dem Rückweg fuhren wir an einer Höhle vorbei, die aber nach etwa fünfzig Metern scheinbar endete. Es war stockdunkel in der Höhle und man sah die Hand vor Augen nicht. Als wir wieder in Honolulu eintrafen, herrschte abendliche Rush Hour.
In der Nähe der Hale Aloha - Jugendherberge setzte mich Petra, die zuletzt gefahren ist, ab. Problemlos verlief die Anmeldung an der Rezeption. Auch mein Rucksack hatte den Transport von Jugendherberge zu Jugendherberge gut überstanden. Die Gänge und Treppen des Hauses befanden sich an der Seite des Hauses unter freiem Himmel. Die Zimmer sahen wie kleine, abgeschlossene Wohnungen aus. Ein Deutscher aus Düsseldorf, der hier auch schlief, hatte sich in der Nacht wohl so besoffen, dass er nicht wußte, wie er letzte Nacht hierher kam. Zu allem Übel hatte er sich auch noch den Kiefer ausgerenkt und das ärztliche Wiedereinrenken kostete ihn mal eben lockere $ 270. Nun hatte er kein Geld mehr und will sich angeblich welches aus Los Angeles schicken lassen. Auch ein Schweizer, der hier übernachtete, hatte offensichtlich gesundheitliche Probleme. Er hatte quälende Zahnschmerzen. Ich duschte und sah auf dem Fußboden des Badezimmers viele Kakerlaken herumlaufen. Hier konnte man sich zum Glück auf der Toilette einschließen, was ja in der Jugendherberge an der Seaview Avenue nicht der Fall gewesen ist.
Es war ein milder Abend. Alex und ich beschlossen, chinesisch essen zu gehen. Er wollte sich eigentlich vor dem Post Office mit Frederic treffen, doch der kam nicht. So gingen wir allein durch das bunte Treiben Honolulus, das ich jetzt erstmals so richtig sah. Alle waren auf den Beinen. Jetzt aber ging es ins China-Restaurant. Die Preise waren normal. Es gab eine Vorsuppe, knusprige Shrimps und ein leckeres Reisgericht mit Rind- und Schweinefleisch. Dazu wurde eisgekühlte Cola gereicht. Nach dem Essen ging es zurück ins nächtliche Treiben, das so farbenprächtig war, wie es kein Foto beschreiben könnte. Da gab es Hotels mit Live-Musik, Geschäfte, die natürlich alle geöffnet waren und unzählige Restaurants. Viele Hotels waren im Innenhof nicht überdacht und so plätscherten überall kleine Wasserfälle durch botanische Anlagen. Brennende Fackeln sorgten für eine besonders schöne Atmosphäre. Dann gab es einen Basar mit einzelnen Geschäften, wo Hemden, Shorts, Kleider, Juwelen, Souvenirs und Süßigkeiten verkauft wurden. Weiße Tauben flogen von Palme zu Palme und immer wieder krächzte ein blau-gelber Papagei. Ein besonderer Höhepunkt war die Fahrstuhlfahrt in einem wolkenkratzerähnlichen Gebäude, worin sich das Sheraton Hotel befand. Es war überhaupt kein Problem, diesen Fahrstuhl zu benutzen. Honolulu von oben glich einem Feuerwerk des Lichts. Vor dem Nobelhotel standen große Karossen mit Autokennzeichen wie ELITE 2. Wir blickten in die Fahrzeuge. Sie waren mit Fernsehmonitoren und Getränkebars ausgerüstet. Man konnte sich einfach nicht satt sehen an diesem herrlich milden Abend. Ich ergötzte mich bei dem Gedanken, dass in Mitteleuropa jetzt tiefster Winter herrschte.
Vom vielen Wandern durch die City von Honolulu wurden wir langsam müde. Ich ging zur Jugendherberge zurück; Alex blieb noch in der Stadt. Vor der Jugendherberge setzte ich mich nach draußen und genoß den schönen Abend. Ich setzte meinen Reisebericht fort. Gegen 23:30 Uhr lag ich im Bett. Von draußen hörte man die Geräusche des hawaiianischen Nachtlebens. Trotzdem konnte ich recht gut schlafen. Für morgen hatte ich mich übrigens wieder mit Hans-Joachim, Edwin und Petra verabredet. Per Auto wollen wir an die Nordküste der Insel und dort in einem günstigen Network-Hotel übernachten. Eine oder zwei Nächte. Wenn es zwei Nächte werden sollten, würde ich Alex erst im neuseeländischen Auckland wiedersehen. Ich erzählte ihm erstmal von nur einer Übernachtung. Wenn es dort nicht so gut ist, würde ich gewiß nach einer Nacht zurückkehren.
7. R e i s e t a g : Donnerstag, 15. Januar 1987 |
Um 7:00 Uhr erwachte ich heute morgen in der Jugendherberge Hale Aloha in der Prince-Edward-Street. Ich stand sofort auf und ging nach draußen vor die Tür, wo mich ein warmer Morgen mit blauem Himmel erwartete. Ich frühstückte Müsli mit Milch und setzte vor der Tür meinen Reisebericht fort. Ich packte dann meinen Rucksack zusammen und deponierte ihn in einem separaten Raum zur Aufbewahrung. Ich nahm nur etwas Gepäck für den geplanten Ausflug in den Nordteil der Insel mit. Ich erledigte wieder meinen "Job" und meldete mich ab.
Um 9:15 Uhr holten mich Petra, Edwin und Hans-Joachim in ihrem Mietwagen ab und der Trip nach Norden konnte beginnen. Leider änderte sich das Wetter, um so weiter wir nach Norden gelangen. Gegen Mittag erreichten wir dann das International Travel Network Hotel in Waimea; direkt am Pazifischen Ozean gelegen. Edwin war schon einmal hier gewesen. Er informierte uns schon vorab über Preise und Einrichtung des Hauses. Als wir uns anmelden wollten, war allerdings niemand da und so gingen wir erstmal ans Meer, wo es, bei wolkigem Himmel, nicht ganz so angenehm war. Trotzdem ging ich ins Wasser. Die Wellen waren heute sensationell hoch; deutlich gewaltiger als an den Tagen zuvor.
Einen Augenblick später gingen wir in das Network-Hotel zurück und meldeten uns bei der deutschen Leiterin an. Offensichtlich war es auch hier erforderlich, den Jugendherbergsausweis an der Rezeption abzugeben. Im nahegelegenen Supermarkt besorgten wir uns dann etwas für das Mittagessen. Wir einigten uns auf Toast Hawaii. Hans-Joachim und Petra bereiteten das leckere Essen am Toaster und Ofen zu, während ich später den Abwasch erledigte. Wir aßen in Etappen; es schmeckte ausgezeichnet. Danach wurde es recht langweilig. Hans-Joachim und Petra unternahmen einen Ausflug, während Edwin und ich im Network-Hotel blieben. Ich schrieb Ansichtskarten an die "Lieben" in der "kalten Heimat" und ruhte mich etwas auf dem Bett aus. Gegen Abend nahm ich in der Badewanne ein Vollbad. Sonst hatte man ja immer nur Duschen zur Verfügung.
Der Himmel blieb wolkenverhangen und es war nicht sonderlich warm. Insgesamt gefiel es mir hier nicht so gut. Ein Engländer trank eine Dose Bier nach der anderen. Später versuchte ich dann in der Jugendherberge an der Seaview Avenue Betten für uns zu reservieren, doch alles schien voll belegt. Ich solle später noch einmal anrufen, was ich auch tat. Mir wurden Notschlafmöglichkeiten im Fernsehraum angeboten. Immer noch besser, als hier zu bleiben. Nun waren auch Petra und Hans-Joachim von ihrer Tour zurück. Erstmals nahm ich Sympathiebezeigungen zwischen den Beiden wahr: Sie berührten sich etwas am Arm und ganz vorsichtig legte Hans-Joachim seinen Arm um Petra. Also doch! Petra scheint aber wohl etwas schwierig zu sein, was Edwin zu bestätigen schien. Offenbar haben sich beide schon des öfteren gestritten. Edwin bemerkte, dass sich Petra anderen Reisenden wohl recht barsch verhalte. Aber das tangierte mich nicht besonders. Mein anfängliches Interesse an ihr hatte in den letzten Tagen deutlich nachgelassen.
Der Abend war mild und angenehm. Der Wind hatte deutlich nachgelassen. Wir beschlossen, noch etwas auszugehen und fuhren deshalb mit dem weißen Mietwagen in den nahegelegenen Ort Haleiwa. Während Hans-Joachim und Petra ein Kokosnußeis aßen, verputzte ich ein Hot Dog. Edwin aß nichts. Daran anschließend fuhren wir noch in einen Pub, wo wir an diesem herrlich lauen Abend ein Bier draußen auf der Terrasse tranken. Überall brannten Fackeln und sorgten für eine wunderschöne Atmosphäre. Am Pub fuhren jetzt Militärtransporte vorbei. Einige US-Soldaten gingen, mit dem Maschinengewehr im Anschlag, die Straße entlang. Edwin, Hans-Joachim und ich diskutierten dann heiß über das Thema Bundeswehr: ja oder nein? Edwin war bei der Bundeswehr und steht auch dazu; Hans-Joachim brauchte wegen entsprechender Beziehungen seines Vaters nicht zum Bund.
Wir fuhren zum Network-Hotel zurück. Edwin und ich blieben noch auf dem Balkon -nahe des Pazifischen Ozeans- sitzen. Die Wellen wurden vom Mond beschienen. Neben mir lagen zwei kleine Kätzchen eng umschlungen. Als die Moskitos jedoch zu blutrünstig wurden, gingen wir ins Haus. Obwohl es am Abend noch sehr laut war, trat jetzt Ruhe ein. Ich lag auf einer ziemlich schmuddeligen Matratze und hatte nur ein dünnes Laken als Bettdecke.
8. R e i s e t a g : Freitag, 16. Januar 1987 |
Hier noch einige ergänzende Kommentare zu Hans-Joachim, Petra und Edwin, mit denen ich in den letzten Tagen ja viel Zeit verbracht habe. Hans-Joachim, 29 Jahre alt und Petra, 28 Jahre alt, sind ein Pärchen. Das habe ich mittlerweile herausgefunden. Aber nach den häufigen Streitereien zu urteilen, herrscht in der Beziehung wenig Harmonie. Petra ist recht schwierig; Hans-Joachim ist ein lieber, netter Kerl; vielleicht etwas naiv. Petra arbeitet beim städtischen Bauamt und Hans-Joachim ist Architekt auf freiberuflicher Basis. Petra hat die Reise voll unter ihrer Kontrolle. Sie übernimmt alles bis hin zur täglichen Bezahlung im Restaurant und der Regelung aller Geldangelegenheiten. Den Mietwagen fährt ausschließlich sie. Hans-Joachim
übernimmt das Kartenlesen. Unterläuft Hans-Joachim beim Lesen der Strassenkarte mal ein Fehler, was ja in einer fremden Umgebung durchaus mal passieren kann, wird dieses von Petra sofort heftigst heftigst verurteilt. Hans-Joachim tut mir manchmal schon ein bißchen Leid. Petra ist dauernd am meckern. Sie kleidet sich durchweg mit dicken Trainingsanzügen aus Angst, eine Nieren- oder Blasenentzündung zu bekommen. Die Gesellschaft mit Edwin und Hans-Joachim ist durchweg angenehm. In seiner Naivität versucht Hans-Joachim immer, hier in Honolulu, deutsch zu sprechen, was natürlich niemand versteht. Hans-Joachim hat zwar das Abitur in der Tasche und Architektur studiert, spricht aber durch Mangel an Praxis kaum Englisch. Ich glaube, dass sich Hans-Joachim über die willkommene Abwechslung mit Edwin und mir, freut.
Edwin ist 31 Jahre alt und Landvermesser von Beruf. Er hat schon etliche Auslandsreisen unternommen; meistens sechswöchige Touren. Bei dieser Reise hat er sich mehr Zeit genommen. Er ist ein lockerer Typ mit stark schwäbischem Akzent. Er liegt am liebsten am Strand in der Sonne und läßt es sich gutgehen. Er sieht super aus; ist sonnengebräunt. Mit ihm komme ich besonders gut aus. Ich glaube manchmal, er hat sich nur zu Hans-Joachim und Petra gesellt, um die Attraktivität des Mietwagens zu genießen. Die Rederei von Petra geht ihm nämlich auch leicht auf den Zeiger.
Ein neuer Tag auf Oahu begann gegen 7:30 Uhr im Network-Hotel von Waimea. Draußen regnete es; dabei war es aber ziemlich warm. Im Norden der Insel ist das Wetter unbeständiger als im Süden. Wir fanden uns zum Frühstück ein und genossen dabei den Blick auf den Ozean mit seinen turmhohen Wellen. Wir hatten noch Toast und Käse von gestern und dazu gab es den von Petra mitgebrachten löslichen Kaffee. Schon bald nach dem Frühstück brachen wir auf und fuhren bei Regen die Ostküste hinunter. Dabei passierten wir die Sunset Beach, die Somsat Earth Station, wo sich ein Meer von Parabolantennen gen Himmel streckte. Alles militärisches Sperrgebiet! Wir ließen auch das interessante Polynesian Cultural Center hinter uns liegen. Der Eintrittspreis war mit $ 48 unverschämt hoch. Eigentlich wollten wir die Halbinsel Mokupu bei Kaneohe befahren, doch wurden wir auch hier vom Militär abgewiesen. Den Berg Pyramid Rock und einen Vulkankrater konnten wir deshalb nicht anschauen. Vorbei an der Hanauma Beach fuhren wir nun direkt nach Honolulu zurück, wo wir gegen Mittag eintrafen.
Wir hatten Hunger und wollten diesen stillen. Hans-Joachim, Petra und ich gingen ins Woolworths-Restaurant, während Edwin schnell im Stehen etwas aß. Für wenig Geld bekam ich leckere Spaghetti mit Fleischsoße und Vorsuppe plus Kräuterbutterbrot serviert. Das Wetter besserte sich nun und so gingen wir wieder an die Waikiki Beach. Ich nahm sofort ein Bad und schwamm in Richtung der beiden künstlichen Inseln. Auch Edwin kam diesmal mit ins Wasser. Petra war es wieder zu kalt. Sie saß trotz der Wärme dick eingepackt in ihrem Trainingsanzug am Strand. Pünktlich erreichten wir dann die Jugendherberge an der Seaview Avenue. Das frühe Erscheinen erschien uns diesmal wichtig, weil ja die Übernachtung noch nicht 100%ig gesichert war. Es klappte aber alles und wir bekamen sogar ein normales Bett; mußten also nicht in die Notunterkunft.
Vor der Jugendherberge machte ich dann die flüchtige Bekanntschaft mit der US-Amerikanerin Jennifer aus Seattle. Jennifer sah toll aus und ich war ziemlich gebannt. Sie fragte mich nach der Jugendherberge in Auckland, wo sie am 20. Januar hinfliegen will. Ich versprach ihr, eine Nachricht an der Pinnwand der Honolulu-Jugendherberge in der Prince-Edward Street zu hinterlassen. In der Nachricht wollte ich ihr den Weg vom Auckland Airport zur Jugendherberge beschreiben. Jennifer wollte die Nachricht heute abend abholen. Übernachten tut sie im Waikiki Network Hostel in der Kalakaua Avenue. Ich würde mich gewiß freuen, Jennifer in Auckland wiederzusehen.
Jetzt drängte aber schon wieder die Zeit: Edwin, Hans-Joachim und ich fuhren erneut nach Honolulu Downtown, um am Abend eine Hula-Tanzshow zu sehen, die in einem Einkaufszentrum in der Kalakaua Avenue veranstaltet wurde. Pünktliches Erscheinen war wegen der begrenzten Sitzplatzanzahl Bedingung. Vorher hatte ich noch meinen Rucksack abgeholt, den ich während des Aufenthaltes im Network-Hotel in der Jugendherberge Nähe Waikiki Beach deponiert hatte.
Leider kamen wir doch zu spät zur Hula-Show und mußten draußen bleiben. Das war ein bißchen ärgerlich. Stattdessen gingen wir durch das nächtliche Honolulu an diesem herrlich warmen Abend. Wir aßen noch eine Kleinigkeit und gingen durch den bunten Basar. Vom Sheraton Hotel schauten wir auf das hell erleuchtete Honolulu hinab. Wir trafen noch Alex und Frederic, die sich zu uns gesellten. Wir tranken noch ein Bier in einer Gaststätte mit Live-Musik. Wir saßen draußen und haben uns gut unterhalten. Nach einem langen Tag ging es dann wieder zurück zur Jugendherberge, wo wir recht schnell Schlaf fanden. Es war angenehm ruhig und ich entsprechend müde.
9. R e i s e t a g : Sonnabend, 17. Januar 1987 |
Dem guten Auftakt der Reise zu urteilen, kann ich wahrlich nur hoffen, dass es auch so bleibt. Ich bin hochzufrieden mit meinem gesundheitlichen Befinden, mit dem Wetter und den vielen netten Leuten, die ich schon kennenlernen durfte. Das erste Kapitel, Hawaii, ist nun bald vorüber und neue Erlebnisse, in Neuseeland, werden folgen.
Nach einer wieder nur kurzen Nacht erwachte ich gegen 7:30 Uhr, und mußte mich mit dem Duschen, dem Frühstück und meinem Job in der Jugendherberge sehr beeilen, um pünktlich zur Schließung der Jugendherberge mit allem fertig zu sein. Die vielen kurzen Nächte werden sicher bald einen toten Punkt zur Folge haben. Selbst mittags gibt es praktisch keine Möglichkeit, sich mal etwas auszuruhen. Hans-Joachim und Petra wollten heute nach Pearl Harbour fahren. Ich wollte nicht mit, weil ich keine Lust auf Petras Nervereien hatte. Edwin fuhr auch nicht mit; somit blieb die Waikiki Beach übrig. Petra und Hans-Joachim setzten Edwin und mich in der Nähe des Strandes ab. Ich wollte noch zur Jugendherberge in der Prince Edward Street, um zu schauen, ob Jennifer die Nachricht an der Pinnwand abgeholt hatte. Die Nachricht hing noch dort. Jennifer hatte sie nicht abgeholt. In der City traf ich noch Alex, der noch einkaufen wollte. Wir schauten uns eine kleine Hula-Tanz Darbietung an und nahmen ein zweites Frühstück in einem Selbstbedienungsrestaurant an der Ecke zur Kalakaua Avenue ein. Im ABC Store kaufte ich noch ein paar Süßigkeiten und etwas Milch für den Nachmittag ein. Edwin war schon zur Beach gegangen. Wir trafen uns in der Nähe des Lifeguard Tower. Auch Frederic, der Franzose, gesellte sich zu uns.
An der Beach gingen Frederic und ich sogleich ins herrlich warme Pazifikwasser. Edwin sonnte sich. Hans-Joachim und Petra kamen aus Pearl Harbour zurück und gesellten sich auch zu uns. Alex hatte seine Einkäufe beendet und kam ebenfalls zu uns. Sein Rucksack war immer noch nicht aufgetaucht; er wollte diesbezüglich mit dem Schweizer Konsulat sprechen, jedoch erreichte er dort am Samstag niemanden.
Auch Markus aus Kaiserslautern setzte sich zu uns. So war unsere Strandclique also wieder beisammen. Herrliches Wetter hatten wir heute wieder. Die paar Wolken, die sich manchmal vor die Sonne schoben, verursachten keinerlei Temperatursturz. Später brachen wir dann rechtzeitig auf, um ja nicht wieder die Hula Show im Plaza Shopping Center zu verpassen. Petra machte in der Jugendherberge noch schnell einen Tomatensalat; dann ging es auch schon wieder zurück in die City. Edwin blieb in der Herberge, weil ihm das alles viel zu stressig war. Vor der Hula-Show hatte sich schon eine lange Warteschlange gebildet. Alex und Frederic waren auch wieder dabei. Unmittelbar vor dem Eingang wurden wir mit polynesischen Hula-Girls fotografiert und wir bekamen auch den Lei umgehängt, die berühmte hawaiianische Blumengirlande.
Die Show begann dann um 18:30 Uhr. Dazu trank ich ein Budweiser Bier für $ 2. Die Show war eine Kombination aus Dia-Vortrag, Musik vom Band und Tanz. Die Musik hat mir gar nicht so gut gefallen; ich hätte mir ein paar melodiösere Klänge gewünscht. Nach etwa 45 Minuten war die Vorstellung beendet. Wir gingen noch eine Kleinigkeit im Burger King essen.
Von Alex verabschiedete ich mich nun vorübergehend. Für ihn war der Reiseabschnitt Hawaii vorerst beendet. Sein Flug nach Auckland/Neuseeland mit der amerikanischen Fluggesellschaft Continentale Airlines um 0:10 Uhr stand bevor.
Wir andere gingen noch ein Eis essen und fuhren dann in die Jugendherberge zurück. An einem erneut sehr milden Abend unterhielt ich mich noch mit einer 30-jährigen US-Amerikanerin aus Colorado und einer süßen Kalifornierin aus Los Angeles, die mit ihren erst 20 Jahren besonders niedlich wirkte. Auch der streßgeplagte Edwin, der den Abend in der Jugendherberge verbracht hatte, unterhielt sich angeregt mit einer Australierin und ging mit ihr noch in den nahen Burger King. Ich hingegen begab mich jetzt ins Bett, denn ich war hundemüde.
10. R e i s e t a g : Sonntag, 18. Januar 1987 |
Gestern nachmittag hatte ich mir letztmalig die Flugdaten für den heutigen Flug nach Neuseeland bestätigen lassen. Offensichtlich lief alles planmäßig. Jetzt hieß es: Abwarten und Tee trinken.
um 7:30 Uhr stand ich letztmalig in der Jugendherberge Honolulu auf und nahm eine erfrischende Dusche. Ich frühstückte Cornflakes mit Milch, aß eine Orange und bekam ein sonntägliches Frühstücksei von Edwin spendiert. Wie schon gestern, war ich auch dafür bestimmt, die Küche zu reinigen. Kurz darauf fuhr ich mit Hans-Joachim und Petra wieder an die Waikiki Beach. Das Wetter war wieder einmalig schön. Nur Sonne und Wolken mit einigen verirrten Schönwetterwölkchen am ansonst blauen Himmel.
Edwin fuhr heute nicht mit uns; er fuhr mit seiner neuen Bekanntschaft, der Australierin, an die Sandy Beach in den Osten der Insel. Am Strand angekommen, begannen Hans-Joachim und ich gleich mit einer Wanderung am Meeresufer entlang. Das war ein Vergnügen bei dem herrlichen Wetter. Petra blieb am Strand zurück. Jetzt begann auch Hans-Joachim Luft abzulassen, als er über Petra sprach. Er beschwerte sich recht deutlich über Petras nerviges und komplexhaftes Verhalten. Was für eine eigenartige Beziehung zwischen den beiden.
Nach etwa einer Stunde waren wir von der Wanderung zurück. Inzwischen hatte sich der Franzose Frederic zu uns gesellt. Mit ihm ging ich gleich in das herrlich warme Wasser. Wieder schwamm ich die beiden künstlichen Inseln an. Zurück an Land erledigte ich ein paar Lebensmittel-Einkäufe. Vor allen Dingen schmeckt mir hier die absolut leckere Milch!
Am Nachmittag setzte ich mich in den Schatten und vervollständigte mein Reisetagebuch. Nun kam auch der Zahntechniker Markus zu uns. Mit Frederic ging ich noch einmal in das Wasser. Später verschlechterte sich wieder das Wetter; es begann zu stürmen und leicht zu regnen. In einem Pub tranken wir noch ein Bier. Jetzt war es an der Zeit, von Frederic und Markus Abschied zu nehmen. Frederic versprach mir, das Foto mit den Hula Girls zu schicken. Petra und Hans-Joachim wollten noch eine Tour in die nahen Berge unternehmen. Ich ging zu Fuß zur Jugendherberge zurück. Im Burger King legte ich noch einen Zwischenstopp ein.
Als ich in der Jugendherberge ankam, war auch schon Edwin da. Er hatte seinen Ausflug an die Sandy Beach beendet. Die Australierin schaute er nun nicht mehr so richtig an. Plötzlich hatte er nur noch Augen für eine 20jährige Münchnerin, die als Au-Pair-Mädchen in San Diego/USA arbeitet.
Am Abend war es dann recht kühl und ich wurde leicht nervös, denn der Abflugtermin rückte immer näher. In Der Zwischenzeit waren auch Hans-Joachim und Petra von ihrem Trip in die Berge zurückgekehrt. Netterweise wollten sie mich um 20:30 Uhr zum Flughafen fahren. Ich lud meinen Rucksack in ihren Mietwagen ein und auf ging´s.
Wir erreichten Honolulu Airport ziemlich schnell. Ich konnte am Schalter der Canadian Pazific Airlines sofort einchecken. Ich legte meinen Rucksack auf das Gepäckband. Würde ich mein Gepäck in Neuseeland auch wiedersehen? Zweifel waren durchaus angebracht, wenn man bedenkt, was Alex und ich mit unseren Rucksäcken schon erlebt hatten.
Ich zeigte meinen Reisepaß und das Flugticket vor. Jetzt bekam ich meinen Sitzplatz mitgeteilt. Eine sehr komplikationslose Prozedur. Nun hatte ich noch Zeit. Ich ging mit Petra und Hans-Joachim in einen Coffee Shop im Duty Free-Bereich. Ich trank einen Orangensaft und aß ein Müsli dazu. Hans-Joachim hatte sehr unter seinem Sonnenbrand zu leiden.
Jetzt war der Moment gekommen, auch von Hans-Joachim und Petra Abschied zu nehmen. Trotz der Nervereien von Petra habe ich die Zeit mit beiden sehr genossen. Die Unternehmungen innerhalb der Clique werde ich bestimmt so schnell nicht vergessen. Petra und Hans-Joachim versprachen, zu schreiben und Fotos mitzuschicken.
Nun sitze ich im Flughafen und warte auf den Abflug nach Auckland/Neuseeland. Es ist 22:45 Uhr. Durch die Zeitumstellung und durch den Flug über die Datumsgrenze wird der 19. Januar 1987 praktisch entfallen. Dennoch werde ich den Flugablauf dort niederschreiben.